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Die Welt

Autor: Monika Nellissen

Schauspielhaus Hamburg

Ungehemmt strohgedÀmmt

Anton Tschechows „Möwe“ im Schauspielhaus – achtbar inszeniert von Alice Buddeberg

Jeder ist sich hier selbst der NĂ€chste, jeder sucht sein Heil in der Flucht, ohne von der Stelle zu kommen. Ausgenommen Nina (Johanna Falckner ist ausgezeichnet), die ausbricht, scheitert und dennoch nicht zerbricht.

Diese Nina, die sich von Kostja (Sören Wunderlich), dem nebulös neue Theaterformen postulierenden Jungdramatiker, abwendet, um sich dem ĂŒbersĂ€ttigten Trigorin buchstĂ€blich an den Hals zu werfen, hat die grĂ¶ĂŸte Wandlung ins Heute erfahren. Sie ist keine verschwĂ€rmte, reine Seele, die eine berĂŒhmte Schauspielerin werden will, sie ist eine bis zum Letzten entschlossene, durchsetzungswillige junge Frau, die freilich immer noch etwas von der Frische, auch PrĂŒderie ihrer lĂ€ndlichen Umgebung hat.

Wenn Nina zurĂŒckkehrt, um sich ein letztes Mal mit Kostja zu treffen, der sie immer noch liebt, gelingt die dichteste, berĂŒhrendste Szene des Abends. Hier sind Impulse und Verbindungen zwischen zwei Menschen spĂŒrbar, das Ungesagte schwingt mit – trotz mancher Worte. Etwas, das zu oft im Verlauf der Inszenierung in den Tiefen der Strohballen verloren gehen.

Hamburger Abendblatt

Autor: Klaus Witzling

Schauspielhaus Hamburg

…Ausgerechnet die als „schlechte“ Möchtegern-Schauspielerin angelegte Nina stiehlt Flachmeyer die Show. Johanna Falckner wirkt zuerst wie eine gehemmte Landpomeranze, die nicht bis drei zĂ€hlen kann. Sie entwickelt aber rasch einen unbedingten Willen und nimmt buchstĂ€blich den mit ihr zaghaft anbĂ€ndelnden Trigorin in Besitz. Eine ĂŒberraschende Sicht der Figur. Auch ihre Szenen mit Kostja berĂŒhren ohne die geringste Spur von Larmoyanz und zĂ€hlen zu den fesselnden Momenten der AuffĂŒhrung.

NZZ Online

Theater Basel 

Genet, „Die Zofen“
Russisches Roulette mit der Imagination

…noch mehr Töne hat Johanna Falckner als Ciaire in ihrem Repertoire. Sie ist wunderbar wandelbar in ihren Rollenwechseln. Wendig wie eine Schlange, wenn sie in autoerotischer VerzĂŒckung die Herrin spielt, in demĂŒtig-kindlicher Bewunderung erstarrt als Dienerin. Sie schwingt sich buchstĂ€blich hoch in den Verwandlungsrausch, in den kultischen Taumel bis hin zur Selbstvernichtung…