Presse

Schauspielhaus Hamburg, Die Welt, Autor: Monika Nellissen

Ungehemmt strohgedämmt

Anton Tschechows “Möwe” im Schauspielhaus – achtbar inszeniert von Alice Buddeberg

Jeder ist sich hier selbst der Nächste, jeder sucht sein Heil in der Flucht, ohne von der Stelle zu kommen. Ausgenommen Nina (Johanna Falckner ist ausgezeichnet), die ausbricht, scheitert und dennoch nicht zerbricht.

Diese Nina, die sich von Kostja (Sören Wunderlich), dem nebulös neue Theaterformen postulierenden Jungdramatiker, abwendet, um sich dem übersättigten Trigorin buchstäblich an den Hals zu werfen, hat die größte Wandlung ins Heute erfahren. Sie ist keine verschwärmte, reine Seele, die eine berühmte Schauspielerin werden will, sie ist eine bis zum Letzten entschlossene, durchsetzungswillige junge Frau, die freilich immer noch etwas von der Frische, auch Prüderie ihrer ländlichen Umgebung hat.

Wenn Nina zurückkehrt, um sich ein letztes Mal mit Kostja zu treffen, der sie immer noch liebt, gelingt die dichteste, berührendste Szene des Abends. Hier sind Impulse und Verbindungen zwischen zwei Menschen spürbar, das Ungesagte schwingt mit – trotz mancher Worte. Etwas, das zu oft im Verlauf der Inszenierung in den Tiefen der Strohballen verloren gehen.

Schauspielhaus Hamburg

Hamburger Abendblatt, 22.10.11, Klaus Witzeling

…Ausgerechnet die als “schlechte” Möchtegern-Schauspielerin angelegte Nina stiehlt Flachmeyer die Show. Johanna Falckner wirkt zuerst wie eine gehemmte Landpomeranze, die nicht bis drei zählen kann. Sie entwickelt aber rasch einen unbedingten Willen und nimmt buchstäblich den mit ihr zaghaft anbändelnden Trigorin in Besitz. Eine überraschende Sicht der Figur. Auch ihre Szenen mit Kostja berühren ohne die geringste Spur von Larmoyanz und zählen zu den fesselnden Momenten der Aufführung.

Theater Basel, Genet, “Die Zofen”

Russisches Roulette mit der Imagination

19. November 2008, NZZ Online

…noch mehr Töne hat Johanna Falckner als Ciaire in ihrem Repertoire. Sie ist wunderbar wandelbar in ihren Rollenwechseln. Wendig wie eine Schlange, wenn sie in autoerotischer Verzückung die Herrin spielt, in demütig-kindlicher Bewunderung erstarrt als Dienerin. Sie schwingt sich buchstäblich hoch in den Verwandlungsrausch, in den kultischen Taumel bis hin zur Selbstvernichtung…